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Tourismusanalyse Dübener Heide 2019

- Angebot und Nachfrage im Beherbergungsgewerbe der Region -


Inhaltsübersicht

1. Eine kurze Vorbemerkung

2. Die wichtigsten touristischen Angebots- und Nachfrageergebnisse 2019

3. Das Angebot an touristischen Leistungen in der Dübener Heide 2019

3.1. Betriebe und ihre Größe - die touristische Gesamtkapazität
3.2. Regionale Unterschiede im Angebot

3.2.1. Nord- und Südheide
3.2.2. Kurstädte und ländlicher Raum

3.4. Saisonale Unterschiede im Angebot

4. Die touristische Nachfrage in der Dübener Heide 2019

4.1. Generelle Merkmale der Nachfrage und Nachfragetrends
4.2. Regionale Nachfrageunterschiede

4.2.1. Nord- und Südheide
4.2.2. Kurstädte und ländlicher Raum

4.3. Saisonale Nachfrageunterschiede

5. Einige touristische Vergleiche zwischen der Dübener Heide und den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt


 

1. Eine kurze Vorbemerkung

Coronakrise, dieses Wort oder ähnliche Konstrukte bestimmen aktuell (März/April 2020) die Medienwelt. Doch wir werden diese Krise überwinden und müssen dann die vielen entstandenen Probleme lösen. Gerade in dieser Situation ist eine derartige Analyse wichtig, denn sie zeigt, was in der Vergangenheit bewältigt worden ist. Mit großem Elan gelang es nach der Wiedervereinigung in den neunziger Jahren mannigfaltige Schwierigkeiten zu überwinden. Der Tourismus stabilisierte sich auch in der Dübener Heide nach anfangs schwierigen Jahren, er wurde zu einem wichtigen Faktor im gesellschaftlichen Leben der Region. Tourismus ist ein Teil des Lebens und der Geschichte der Region. Viele Menschen haben bewiesen, vieles ist möglich, wenn entsprechender Mut und Optimismus vorhanden sind, wenn die Ärmel hochgekrempelt werden.

Diese, seit vielen Jahren veröffentlichte Kurzanalyse "Tourismus in der Dübener Heide" ist für Touristiker und am Tourismus Interessierte die einzige Möglichkeit, die Entwicklung des Tourismus in der Region über fast drei Jahrzehnte zurückzuverfolgen. An keiner Stelle in der Vielfalt des Internets finden sie derart Vergleichbares. Zur Abrundung der Darstellungen werden neben den aktuellen Zahlen von 2019 analoge Daten zur touristischen Arbeit in der Dübener Heide zurückliegend bis Anfang der 90-er Jahre genutzt (soweit vorhanden).
Im Untersuchungszeitraum hat sich das Untersuchungsgebiet nicht verändert, die Vergleichbarkeit ist gesichert, bei eventuellen Problemen wird im Text darauf verwiesen (zu statistischen Frage siehe auch Anlage 1 ).

Wir setzen die Veröffentlichung der Ergebnisse der Langzeitbetrachtung fort, obwohl sich das bekundete Interesse in den letzten Jahren reduzierte.

Die im Internet veröffentlichte Tourismusanalyse wurde ...mal aufgerufen
JahrAufrufe
2010   858
20121.154
20141.204
20151.115
20161.204
20171.178
20181.004
2019   826

Das Material enthält bewusst viele Grafiken und Tabellen, um dem Leser die Möglichkeit der unabhängigen Meinungsbildung zu geben. Interessierte, die noch umfangreicheres Material wünschen, wenden sich bitte an die Geschäftsstelle des Vereins Freizeit und Urlaub auf dem Land - Sachsen-Anhalt (Tel.: 034921/20391).

Es steht auch eine  pdf-Version zur Verfügung. Hier geht es zu dieser.

2. Die wichtigsten touristischen Trends und Angebots- und Nachfrageergebnisse 2019

Die wichtigsten Merkmale der touristischen Entwicklung in der Dübener Heide können in 4 Thesen zusammengefasst werden.

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3. Das Angebot an touristischen Leistungen in der Dübener Heide 2019

Beim Lesen dieses Abschnittes und der folgenden ist zu beachten, dass es sich lediglich um die Kapazität der kommerziellen Betriebe mit mehr als 10 Schlafgelegenheiten handelt. Nur diese werden von den Statistischen Bundesämtern erfasst. Kleinere, real vorhandene Angebote privater Vermieter von Ferienwohnungen und -häusern oder kleineren Pensionen sind nicht enthalten. Außerdem unterscheidet das Angebot zwischen "vorhandenen Betrieben" und "geöffneten Betrieben" sowie zwischen "vorhandenen Schlafgelegenheiten" und "angebotenen Schlafgelegenheiten".

3.1. Betriebe und ihre Größe - die touristische Gesamtkapazität

Nach der Wiedervereinigung setzte ein Boom im Tourismusgewerbe der Dübener Heide ein, der 2001 seinen Höhepunkt erreichte.  Ihm folgte eine Phase der Stabilisierung mit wechselndem Angebotsniveau. In diesem Zeitraum lag die Betriebszahl 8-mal über und 9-mal unter dem Niveau von 2001. Die Entwicklung beinhaltete somit beachtliche Veränderungen, auch Rückgänge. Insgesamt hat sich die Zahl der kommerziellen Beherbergungsbetriebe wenig verändert, alles weist auf eine Marktsättigung hin (Grafik 1).

Das Jahr 2019 passt sich in diese Entwicklung ein, obwohl auf den ersten Blick größere Veränderungen zum Vorjahr auffallen.

  1. Vorhandene Betriebe und Schlafgelegenheiten
    In der Region Dübener Heide waren am 31.12.2019  62 kommerzielle Beherbergungseinrichtungen mit 5.533 Schlafgelegenheiten /Betten vorhanden. Gegenüber dem gleichen Stichtag des Vorjahres hat sich die Zahl der Betriebe um 3 verringert. Das entspricht einem Rückgang auf 95,4 %.
    Das vorhandene Angebot an Schlafgelegenheiten reduzierte sich um etwa 100 Betten.
    Die abgemeldeten Betriebe hatten eine durchschnittliche Größe von 33 Schlafgelegenheiten/Betrieb; es waren somit kleinere Unternehmen. Durch die abgemeldeten Betriebe kam es zu einer leichten Erhöhung der Durchschnittsgröße der vorhandenen Betriebe (Erhöhung um 2 Betten gegenüber dem Vorjahr). Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 89 Schlafgelegenheiten /Einrichtung.
  2. Geöffnete Betriebe und ihr Angebot an Schlafgelegenheiten
    Für den Verbraucher sind die geöffneten Betriebe mit ihrem Bettenangebot das wichtigere Kriterium. Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahresende sind kaum spürbar.
    Die Zahl der geöffneten Betriebe betrug 49 und war um 3 niedriger als am Vorjahresende.
    Die Zahl der angebotenen Schlafgelegenheiten sank um 26 (auf 4.101) und ist minimal.

Im Langzeittrend lassen Zahl der Betriebe und Zahl der Schlafgelegenheiten eine unterschiedliche Entwicklung erkennen. Während die Zahl der Betriebe konstant blieb bzw. leicht zurückging (bei den geöffneten Betrieben), erhöhte sich die Zahl der Schlafgelegenheiten tendenziell. Das zeigt sich besonders bei den realen Angeboten.

Die Angaben zu Schlafgelegenheiten werden durch statistische Neuregelungen beeinflusst (2009 wurde die Erfassung der Kapazitäten der Campingplätze neu definiert. Seitdem umfasst ein Stellplatz auf Campingplätzen jeweils 4 Schlafgelegenheiten). Die Auswirkungen offenbaren sich ab 2009 in einer scheinbaren Kapazitätssteigerung (Grafiken 2 und 3).

Das leicht steigende Bettenangebot bei sinkender Zahl an kommerziellen Betrieben führte zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Betriebsgröße. Die durchschnittliche Betriebsgröße stieg 2019 auf 89 Betten/Beherbergungseinrichtung und erreichte das höchste Niveau seit der Datenerfassung 1992. Tendenziell setzt sich der Konzentrationsprozess auch im Tourismusbereich durch (Grafik 3).

Bei der Bewertung der durchschnittlichen Betriebsgröße sind die in der Region vorhandenen Extreme zu beachten. Auf der einen Seite drei Kureinrichtungen mit jeweils über 500 Betten und 8 Campingplätze mit jeweils über 300 Schlafgelegenheiten; auf der anderen stehen viele kleine, meist Pensionscharakter besitzende Unternehmen, die das Gesamtbild beeinflussen.

Grafik 1:
Die Entwicklung der Zahl der kommerziellen Beherbergungseinrichtungen (vorhandene und geöffnete)
in der Dübener Heide seit 1992

Entwicklung der kommerziellen touristischen Beherbergungsbetriebe seit 1992


Grafik 2:
Die Entwicklung der Zahl der Schlafgelegenheiten (vorhandene und angebotene) in
komm. Beherbergungsbetrieben der Dübener Heide seit 1992

Entwicklung der Schglafgelegenheiten seit 1992

Grafik 3:
Die durchschnittliche Betriebsgröße der (vorhandenen) kommerziellen Beherbergungsbetriebe
der Dübener Heide seit 1992 (Schlafgelegenheiten/Betrieb)

Entwicklung der Betriebsgröße seit 1992

3.2. Regionale Unterschiede im Angebot

3.2.1. Nord- und Südheide

Die Unterschiede im touristischen Angebot zwischen Süd- und Nordheide, d. h. zwischen dem sächsischen und sachsen-anhaltischen Teil der Dübener Heide, sind beachtlich. Der nördliche Teil der Dübener Heide prägt das touristische Angebot der Region. Rund 80 Prozent des vorhandenen Bettenangebotes befindet sich in dieser Region und langsam baut der Norden seine touristische bestimmende Rolle aus. Das betrifft auch die angebotenen Schlafgelegenheiten, von 2014 bis 2019 wurde in der Nordheide dieses schneller als anderswo erweitert; dadurch erhöhte sich ihr Anteil an den am Jahresende angebotenen Schlafgelegenheiten von 66,8 % auf 74,4 % (Grafik 4). Seit 2016 stabilisiert sich das Angebot bei etwa 3.000 zu 1.000 angebotenen Schlafgelegenheiten Nord- zu Südheide.

Der Norden punktet mit

Die scheinbar besseren Voraussetzungen des Südteils durch seine Nähe zur Großstadt Leipzig (ca. 25 km entfernt) sowie die Autobahnanbindung kommen wenig zum Tragen.

Grafik 4:
Die regionalen Unterschiede bei den angebotenen Schlafgelegenheiten 2014 - 2019
zwischen Nord- und Südheide - Stichtag jeweils 31.12.
Bettenangebot Nord - Süd

 

3.2.2. Kurstädte und ländlicher Raum

Langfristig hat sich das Angebot in Kurstädten und im ländlichen Raum unterschiedlich entwickelt. Allerdings ist einschränkend zu bemerken, dass sich der besondere Charakter der "Kur" verloren hat. Durch die Gebietsreform in Sachsen-Anhalt wurden viele kleine Dörfer, aber auch die Stadt Pretzsch, in der Verwaltungsgemeinde Bad Schmiedeberg zusammengefasst. Dadurch hat sich das Bettenangebot von Bad Schmiedeberg um fast ein Drittel erhöht. Der Kurcharakter bezieht somit nur noch auf die Kernstadt, die wird jedoch statistisch nicht gesondert ausgewiesen. Unabhängig davon soll auf die Darstellung nicht verzichtet werden.

Grafik 5:
Die Entwicklung der angebotenen Schlafgelegenheiten in den Kurstädten und im ländlichen Raum
in der Dübener Heide von (2005) 2012 - 2019 (Stichtag 31.12.)
Betten in kur und ldl. Raum

 

2019 ist das Angebot in den Kurorten sowohl für die Gesamtheide als auch für ihre Heideregionen (Nordheide mit Bad Schmiedeberg - Südheide mit Bad Düben) touristisch bestimmend. Dafür tragen neben der Konzentration der vorhandenen Schlafgelegenheiten in den Kernstädten, die Größe der Objekte sowie das tangierende kulturelle und gastronomische Angebot eine entscheidende Rolle.

In der Dübener Heide, gesamt, besitzen 2019 die Kurstädte einen Anteil von 35 % an den geöffneten Betrieben und 53 % an den angebotenen Schlafgelegenheiten. Die durchschnittliche Betriebsgröße der geöffneten Betriebe  erreicht in den Kurstädten 127 Betten/Betrieb (Stichtag 31.12.2019).

Der ländliche Raum als zweite Komponente des touristischen Angebotes in der Dübener Heide kann sich auf Grund seiner Flächenausdehnung und Kleinteiligkeit optisch weniger in Szene setzen. Sein Anteil am Gesamtangebot ist trotzdem beachtlich; allerdings mit zwei saisonabhängigen Gesichtern.

  1. Im Sommerhalbjahr, der Hauptsaison (hier Stichtag 30.06.2019) besitzt der ländliche Raum:
    • einen Anteil von 70 % an den geöffneten Betrieben sowie
    • einen Anteil an den angebotenen Schlafgelegenheiten von 58 %.
    • Die durchschnittliche Betriebsgröße erreicht 72 angebotene Schlafgelegenheiten/geöffneten Betrieb und ist damit fast ein Drittel höher als in der Wintersaison.
  2. Im Winterhalbjahr (hier Stichtag 31.12.2019) ist für den ländlichen Raum kennzeichnend:

Es ist hier erforderlich, kurz auf die besondere Rolle von Bad Schmiedeberg einzugehen. Bad Schmiedeberg ist die touristisch bedeutungsvollste Kommune der Dübener Heide. In den letzten Jahren hat sich die Stadt mit teils ländlichen Elementen angereichert.

Grafik 6:
Der Anteil der Kurstädte und des ländlichen Raumes am vorhandenen und
angebotenem Schlafgelegenheitsangebot in der Dübener Heide - Stichtag 30.06.2019 Kur - ldl. Raum

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3.3. Saisonale Unterschiede im Angebot

Das touristische Angebot der Dübener Heide ist durch drei Merkmale gekennzeichnet:

  1. Kureinrichtungen, die eine ganzjährig kontinuierliche Auslastung anstreben,
  2. Campingeinrichtungen, die sich besonders auf die Sommermonate konzentrieren und
  3. Hotels, Pensionen u. ä., die ganzjährig auf Urlaubsgäste ausgerichtet und jedoch  stark von der Witterung abhängig sind.

Im langjährigen Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage haben sich die touristischen Unternehmen dem angepasst und es ist logisch, dass das saisonale Angebotsverhalten 2019 weitgehend dem der Vergangenheit entspricht. Grafik 7 verdeutlicht das eindrucksvoll, Angebotsreserven im Winter sind Normalität. 

Grafik 7:
Die saisonalen Unterschiede zwischen dem Angebot von vorhandenen und angebotenen Schlafgelegenheiten
2015-2019 (Vergleich zwischen den Stichtagen 30.06. und 31.12.) Saisonale Unterschiede im Bettenangebot

 

Grafik 8 verdeutlicht dies im Detail des Jahres 2019. Im Sommerhalbjahr (braun/weiß) stehen sowohl im ländlichen Raum als auch in den Kurstädten (fast) alle Schlafgelegenheiten für Touristen/Gäste zur Verfügung. Im Winter (blau/weiß) ist die Lage differenzierter. In den Kurstädten werden nur erforderliche Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, alle anderen Schlafgelegenheiten werden genutzt. Im ländlichen Raum hingegen stehen nur 60 % der potentiell vorhandenen Möglichkeiten zur Verfügung, viele Unternehmen schließen generell (11 von 43 Betrieben) und andere reduzieren ihr Angebot.

Grafik 8:
Anteil der angebotenen an den vorhandenen Schlafgelegenheiten in Kurstädten und im ländlichen Raum
in der Dübener Heide im Sommer und Winter (Stichtage 30.06. bzw. 31.12.2019) Snteil an Schlafgelegenheiten

 

4. Die touristische Nachfrage in der Dübener Heide 2019

4.1. Generelle Merkmale der Nachfrage 2019 und Nachfragetrends

2019 legte die Nachfrage eine Atempause ein. Bei den Übernachtungen konnte das Vorjahresniveau gehalten werden, die Zahl der Gäste sank dagegen.

  1. 126.271 Gäste übernachteten 2019 in kommerziellen Einrichtungen in der Dübener Heide, das sind fast 900 bzw. 3 % weniger als im Vorjahr.
    Seit der Datenerfassung 1992 zeigt sich eine leicht steigende Entwicklung, in der wechselnde Nachfrageintensitäten zum Erscheinungsbild gehören. Die letzten 10 Jahre umfassten 5 Jahre mit sinkender Besucherzahl und 5 mit steigender (vergleiche auch Tabelle 9).
  2. 2019 wurde bei den Übernachtungen wieder die 600 000-er Marke überschritten.  610.808 Übernachtungen stehen zu Buche. Das sind knapp 300 mehr als im Vorjahr.
    Seit 1994 besteht eine steigende Tendenz in den Übernachtungen. Auch hier gehören Schwankungen zwischen den Jahren zur Normalität. In den letzten 10 Jahren stehen 7 Jahre mit gestiegener Nachfrage 3 mit gesunkener gegenüber (Grafik 10).

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Dübener Heide betrug 2019 4,8 Tage.  Damit setzte sich das Durchschnittsniveau der letzten 3 Jahre fort.

Grafik 9:
Die Entwicklung der Gästezahlen/Ankünfte in den kommerziellen Beherbergungsbetrieben
der Dübener Heide seit 1992

Gästezahl seit 92


Grafik 10:
Die Entwicklung der Übernachtungen in den kommerziellen Beherbergungsbetrieben
der Dübener Heide seit 1992
uebernachtung

Grafik 11:
Die Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste in den kommerziellen Beherbergungsbetrieben
der Dübener Heide seit 1992

Aufenthaltstage
 

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4.2. Regionale Nachfrageunterschiede 2019

Die regionale Nachfrage innerhalb der Dübener Heide wird unter den Gesichtspunkten

Die Formulierung 'ländlicher Raum' für Gemeinden außerhalb der Kurstädte ist allerdings nur begrenzt aussagefähig, denn Kurstädte sind zum Teil Mischformen aus Kur-Ortsteilen und ländlich geprägten Ortschaften. Durch die Gebietsreformen wurden aus ehemals reinen Kurstädten Verwaltungseinheiten, die sowohl die Kurstädte als auch Ortschaften mit klar ländlichem Charakter in sich vereinen.  Das typische Beispiel für die Region Dübener Heide ist Bad Schmiedeberg. Während die Stadt Bad Schmiedeberg bis 30.06.2009 als Gemeinde bestand, wurden ab 01.07.2009 die bis dato selbständigen Gemeinden Pretzsch (Stadt), Korgau, Meuro, Priesitz, Schnellin, Söllichau und Trebitz in den neuen Gemeindeverbund einbezogen.

 

4.2.1. Die Nachfrage in der Nord- und der Südheide

Kennzeichnend für beide ist der langjährige Anstieg bei Gästezahlen und Übernachtungen. In Gästezahl und Aufenthaltsdauer unterscheiden sich beide nennenswert, die sachsen-anhaltische Nordheide ist eindeutig die dominierende Region.

2019 wurden

Auch 2019 wählten etwa zwei Drittel der Gäste den Nordteil der Dübener Heide als Aufenthaltsort und verweilten länger in der Region als die, die im südlichen Teil Quartier bezogen haben. Gleichzeitig kam es in der Südheide zu einem Rückgang der Nachfrage.

Bemerkenswert ist


Grafik 12:
Die Entwicklung der Zahl der Gäste in der Nord- bzw. Südheide
seit 1992 (ausgewählte Jahre)Gäste in Nord- und Südheide
 


Grafik 13:
Die Entwicklung der Zahl der Übernachtungen in der Nord- bzw. Südheide
seit 1992 (ausgewählte Jahre)
Übernachtungen

 

Grafik 14:
Die Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste in den kommerziellen Beherbergungsbetrieben
der Dübener Heide seit 1992
Aufenthaltsdauer


Grafik 15:
Die Anteile der Übernachtungen in der Nord- bzw. Südheide an der Gesamtheide seit 1992
(ausgewählte Jahre - gesamt = 100)Anteil Regionen an Gästen

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4.2.2. Kurstädte und ländlicher Raum

Langfristig (über etwa zweieinhalb Jahrzehnte - 1993-2018) erreichten sowohl die Kurstädte als auch der ländliche Raum beachtliche Fortschritte als Urlaubsregionen.  

Seit 1993 (dem ersten Jahr einer statistischen Erfassung dieser Teilregionen) stieg bis 2019 die Zahl der Gäste in den Kurstädten auf 302 %, in den ländlichen Regionen auf 240 %. Die Übernachtungen erhöhten sich auf 258 bzw. 344 %. Während die Kurstädte ihre Gästezahlen überdurchschnittlich ausdehnen konnten (bezogen auf die Gesamtheide), gewannen die ländlichen Regionen den Wachstumsvergleich bei Übernachtungen (Grafik 16).

Diese Angaben spiegeln den realen Verlauf nicht ausreichend wider. Nach einem sehr starken Anstieg in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung flachten alle Entwicklungskurven ab. Das generelle Wachstum der Nachfrage konnte jedoch in beiden Teilregionen beibehalten werden. In dieser Entwicklung können drei Phasen unterschieden werden:

  1. Die Phase des sichtbaren Anstiegs in den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts.
    In dieser Zeit verbuchten besonders die Kurstädte ein schnelles Wachstum der Gästezahlen bei gleichzeitig leichtem Rückgang der Aufenthaltszeit. Der ländliche Raum erreichte einen wesentlich moderaten Anstieg, viele kleine Unternehmen kämpften um ihre Existenz.
  2. Die Phase der Konsolidierung im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. In allen Regionen verlangsamte sich das Tempo. Im ländlichen Raum festigten sich die Unternehmen auf der Basis eines schnelleren Anstiegs der Nachfrage als in den Kurstädten.
  3. Die Phase des leichten Anstiegs im laufenden (zweiten) Jahrzehnt.
    In dieser Zeit wuchsen die Gästezahl und die Übernachtungen im ländlichen Raum schneller als in den Kurstädten. Die Gäste entdeckten die Natur wieder. Dadurch kam es zu Verschiebungen in den Anteilen, ohne dass die Kurstädte ihre dominierende Stellung verloren.

Grafik 16:
Die Entwicklung der Teilregionen 'Kurstädte' und 'ländlicher Raum' in der Dübener Heide seit 1993
K-ldlr

Bei steigenden Übernachtungs- und Gästezahlen hat sich die Aufenthaltsdauer der Gäste nicht nur in der Gesamtheide, sondern auch in den Teilregionen wenig verändert (Grafik 17).

Grafik 17:
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste in Kurstädten bzw. im ländlichen Raum
der Dübener Heide  seit 1993 (in Zeitschritten)
durchschnittliche Aufenthaltsdauer

In den vergangenen 2 1/2 Jahrzehnten hat sich viel verändert, kommt dies auch im täglichen Leben zum Ausdruck? Besonders in den Kurstädten, in denen sich die Gäste auf engem Raum konzentrieren, wird es sichtbar.

In den beiden Kurstädten haben sich die Pro-Tag-Anwesenden Gäste auf das Zweieinhalbfache erhöht.

Zwischen den beiden Kurstädten bestehen sichtbare Unterschiede. Bad Schmiedeberg etabliert sich stärker als Kurstadt.

Im ländlichen Raum vollzog sich eine sehr positive Entwicklung. Bei kontinuierlichem Anstieg wurde innerhalb von 26 Jahren fast eine Vervierfachung der täglich anwesenden Gäste erreicht. Von 143 täglich anwesenden Gästen 1993 stiegt die Nachfrage bis 2019 auf täglich 492 Gäste. Die erfreuliche Entwicklung im ländlichen Raum darf den Blick zu den Relationen nicht trüben.


Grafik 18:
Die durchschnittlich täglich anwesenden Gäste in Kurstädten bzw. im ländlichen Raum
der Dübener Heide 1993, 2000 und 2019
Tagesaufenthalte

Im Zeitraum von 26 Jahren sind es besonders die Trendlinien, die Aufmerksamkeit erheischen und Veränderungen aufzeigen. Grafik 19 zeigt den Wandel der Marktanteile

Grafik 19:
Die Marktanteile der Kurstädte bzw. des ländlichen Raumes bei Gästen und Übernachtungen
der Dübener Heide seit 1993 (in Zeitsprüngen)
Anteil Kurstädte und ldl. Raum 

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4.3. Saisonale Nachfrageunterschiede 2019

In der Dübener Heide ist auch 2019 eine typisch saisonal unterschiedliche Gästeverteilung zu beobachten. Die meisten Gäste bevorzugen die Sommermonate - besonders die Monate Juli/August - , um sich in der Region aufzuhalten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist dagegen im Winterhalbjahr am höchsten.

Das reichhaltige Übernachtungsangebot und die Schulferien sind zwei wesentliche Faktoren. 43 % aller Jahresgäste halten sich im III. Quartal (Juli-September) in der Dübener Heide auf (Grafik 20). Im gesamten Sommerhalbjahr sind es 69 %.

Auffallend ist, dass vor allem der nördliche Teil der Heide entscheidend dazu beiträgt. In der Südheide, dem sächsischen Teil, sind die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterhalbjahr relativ gering.
Eine wesentliche Ursache liegt im vorhandenen Angebot. Dieses ist in der Nordheide fast dreimal so hoch wie in der Südheide. Außerdem ist die Struktur des touristischen Gesamtangebots in der Nordheide, unabhängig von den großen Kureinrichtungen, ausgewogener auf Belange von Urlauber und Kurgästen ausgerichtet. Das betrifft das tangierende Freizeitangebot mit dem großen Goitzschesee, den Elbufern, Ferropolis und dem Netz an Wander- und Radwegen. 

Die Zahl der Übernachtungen - und diese ist letztlich entscheidend für die Intensität des Tourismus - spiegelt ein etwas anderes Bild (Grafik 21). Der Aufenthalt in der Dübener Heide zeigt eine abgeflachte Saisonkurve mit Höhepunkt im III. Quartal. Dieses Saisonverhalten wird durch die Gäste in der Nordheide bestimmt.

Grafik 20:
Der Anteil der Quartale an der Jahresnachfrage 2019 (Zahl der Gäste)
in der Dübener Heide sowie der Nord- und Südheide

Gäste

Grafik 21:
Der Anteil der Quartale an der Jahresnachfrage 2019 (Zahl der Übernachtungen)
in der Dübener Heide sowie der Nord- und Südheide

Saison bei Übernachtungen

Je länger die Nächte gegenüber den Tagen desto länger ist der Aufenthalt der Gäste in der Dübener Heide. Im Sommerhalbjahr halten sich Gäste 3-5 Nächte in der Region auf, im Winterhalbjahr sind es dagegen rd. 6 Nächte.

Diese Situation wird durch das Verhältnis zwischen Ferienurlaubern und Kurgästen bestimmt. Erstere halten sich nur wenige Tage in der Region auf, es sind sozusagen Kurzurlauber. Die Aufenthaltsdauer der Kurgäste ist weitgehend unabhängig von der Jahreszeit und beträgt 2 bzw. 3 Wochen.

Besonders deutlich wird dies beim Vergleich der beiden Teilregionen.
In der Südheide ist der Tourismus von Kurgästen und Geschäftsreisenden/Monteuren geprägt - wobei in den Sommermonaten die Nachfrage durch die letztgenannte Gruppe geringer ist. Freizeiturlauber, die sich am schönen, warmen Wetter orientieren, zieht es weniger in der Südheide. An ihre Stelle treten Ausflügler, die zum Tagesaufenthalt aus Leipzig und anderen am Rand liegenden großen Städten anreisen.
Die Nordheide wird von einem hohen Anteil an Kurgästen geprägt, im Sommer beeinflusst die hohe Zahl an Besuchern der 4 großen Campingeinrichtungen sowie Gäste in Pensionen und Hotels mit kurzem Aufenthalt den Durchschnitt. Deutlich wird bei der Gesamtbetrachtung, die Dübener Heide ist keine Region der Langzeiturlauber.

Grafik 22
Die Aufenthaltsdauer der Gäste in den einzelnen Quartalen 2019 
gegliedert nach Gesamt-,  Nord- und Südheide
Saison nach Regionen

Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich diese Situation in absehbarer Zeit wesentlich ändert. Die Vergangenheit zeigt, dass das Urlaubsverhalten der Gäste der Dübener Heide seit Jahren stabil war, Unterschiede traten lediglich bei der Aufenthaltsdauer auf. Das heißt, je nach Witterung blieben die Urlauber einen Tag länger oder kürzer und bewirkten so sehr unterschiedliche Auslastungswerte in den Unternehmen.

Die Beherbergungswerte im ländlichen Raum bestätigen diese Aussage. Die Gäste verweilen in diesen Regionen im Sommerhalbjahr 3 - 4 Nächte, im Winterhalbjahr sind es jedoch lediglich 1 -2 Nächte.

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5. Einige touristische Vergleiche zwischen der Dübener Heide und den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt

Aus touristischer Sicht wird der Dübener Heide in den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt keine übermäßige Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist verständlich, denn in ihr wird nur ein sehr geringer Teil der touristischen Aktivitäten des jeweiligen Landes realisiert (Grafik 23). Ihre Wachstumsraten haben unwesentlichen Einfluss auf die touristische Gesamtentwicklung des jeweiligen Landes.

Die Dübener Heide besitzt

Grafik 23:
Übernachtungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und der Dübener Heide
seit 2004 im Vergleich
Übernachtungen

Diese Gegenüberstellung vergleicht die absolute touristische Entwicklung in den Regionen. In ihr wird die große Rolle des Fremdenverkehrs in Sachsen und demgegenüber die Bedeutungslosigkeit in der Dübener Heide hervorgehoben. Sie ist für bestimmte Argumentationen wichtig. Aussagestärker und wirklichkeitsnäher ist die Kennziffer Gäste bzw. Übernachtungen je 100 Einwohner, denn sie beinhaltet eine einheitliche Vergleichsbasis. Hier entsteht ein anderes Bild (Grafik 24).

Grafik 24:
Gäste und Übernachtungen in der Dübener Heide sowie in den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt 2019
- je 100 Einwohner -
Gäste pro 100 EW

Grafik 25:
Die durchschnittlichen Aufenthaltstage der Gäste in der Dübener Heide
sowie in den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt 2019Vergleich Aufenthaltstage

Die Rolle der Dübener Heide wird durch den Vergleich mit anderen touristischen Regionen der beiden Bundesländer verdeutlicht (Tabelle 26).

Grafik 26:
Vergleich Dübener Heide mit Großstädten sowie Tourismusregionen in
Sachsen und Sachsen-Anhalt 2018 (Übernachtungen je 100 EW)
Vergleich von tour. Regionen 2018

 

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Anlage 1:
Anmerkungen zur Datenerfassung

Die nachfolgend genutzten Daten stellten uns die Statistischen Landesämter Sachsen und Sachsen-Anhalt als Spezialaufbereitungen zur Verfügung. Seit 1992 werden Daten bei uns gesammelt und ausgewertet. Dadurch können grundsätzliche Aussagen zur langfristigen Entwicklung des Beherbergungsangebotes und der touristischen Nachfrage getroffen werden. In dieser Zeit wurden zahlreiche Änderungen in der administrativen Struktur der Region und der Datenerfassung durchgeführt. Sie haben keinen Einfluss auf die Gesamtaussagen, bestimmen jedoch Detailaussagen. Deshalb wurde teilweise auf Langzeitdarstellungen verzichtet.

  1. Änderungen der administrativen Struktur
    • Die Zahl der Landkreise sank von 5 auf 3.
      In Sachsen waren es anfangs 3, jetzt einer; in Sachsen-Anhalt blieb die Zahl konstant bei 2.
    • Die Zahl der Gemeinden sank von 25 auf 13.
      Gerade diese Konzentration schmälert die differenzierte Aussage.
  2. Änderungen in der  statistischen Datenerfassung
    • die Größe der erfassten Unternehmen stieg von ehemals 'über 8 Betten' auf 'ab 10 Betten',
    • der Begriff 'touristische Unternehmen' wurde ausgedehnt (früher nur gewerbliche Einrichtungen, wie Hotels, Pensionen usw., heute einschließlich Campingplätze) und
    • die Integration der Campingplätze mit 4 Schlafgelegenheiten je Stellplatz beeinträchtigt die qualitative Bewertung der Gesamtheit. Um dies zu verdeutlichen, wird vorzugsweise der Begriff 'Schlafgelegenheiten' benutzt, obwohl er keineswegs schön ist.

Das Fortbestehen des Erfassungsgebietes 'Dübener Heide' im 1992 definierten geografischen Rahmen ermöglicht nach wie vor gesicherte Aussagen zu touristischem Angebot und Nachfrage.


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ins Internet gestellt am 04.04.2020
Dr. sc. Walter Dlouhy