Wissenswertes über die Dübener Heide

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Heidelandschaft und Dübener Heide


(nach einem Manuskript von Herrn Gerhard Windisch, Leipzig, Mitglied der Gesellschaft der Heidefreunde Hamburg -gekürzt)

Heidelandschaft wird oft gleichgesetzt mit Landschaften, in denen Zwergstrauchheiden, Ginster und Wacholder zu Hause sind. Auch Gräser gehören dazu, obwohl sie oft als störend empfunden werden. Die Lüneburger Heide - der der Dichter Hermann Löns ein literarisches Denkmal setzte - steht als typisches Beispiel dafür. Auch in der Dübener Heide hat es immer eine echte Heidelandschaft gegeben und es gibt sie heute noch. Auch einen Heidedichter hat es gegeben; Herrmann Winkler, der Gründer des Landschaftsmuseums Dübener Heide. Leider hat er nicht die Größe und Berühmtheit erreicht, wie sein Pendant in der Lüneburger Heide.

Natürliche Heiden gibt es nur noch an den Meeresküsten, in Moorgebieten und im Hochgebirge. Dort sind durch Wind, Wasser und Kälte die Lebensbedingungen für die Baumflora so ungünstig, dass die Heide die Oberhand behalten kann. Im zentralen europäischen Binnenland wird die Heide bereits nach 12 bis 45 Jahren durch Birken, Kiefern und Stieleichen überwachsen. So ist gerade hier die Entwicklung einer Heidelandschaft ein ständiger Anpassungsprozess an die Umweltbedingungen.

In die Dübener Heide kamen die Heidepflanzen mit den einwandernden Germanen aus nördlichen Regionen (v. a. Dänemark - etwa 3000 Jahre v. Chr.). Diese Küsten-Bauern waren es gewohnt, die Heide als Futtermittel für ihre Tiere zu nutzen und führten sie folglich in ihren Niederlassungsgebieten ein. Selbst unter einer Schneedecke bot die immergrüne Pflanze den Tieren Nahrung.

Die Entstehung der zentraleuropäischen Heidelandschaften hatte somit einen wirtschaftlichen Hintergrund.

Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Heide zurückgedrängt. Zwar wurde sie weiterhin als Futterquelle - besonders für die arme Landbevölkerung - genutzt, aber die Entwicklung der Feld- und Pflanzenwirtschaft schuf andere Rangfolgen. Erst wurde die Heide und später die Wälder zurückgedrängt, es entstanden Wiesen und Felder.

Zwei Jahrhunderte später setzte eine teilweise entgegen gesetzte Entwicklung ein. Wieder lagen wirtschaftliche Gründe vor. Die keinen oder wenig Grund und Boden besitzende Bevölkerung erhielt das Recht, die mageren, wenig ertragreichen Heideflächen als Weide zu nutzen. Gleiches traf auf das Niederholz des Waldes zu. Die "Hutung" von Kleintieren (Schafe, Ziegen, Schweine und Gänse) führte teilweise zum Absterben von Wäldern und neu entstehenden Heidelandschaften.

Mitte des 18. Jahrhunderts erreichten die Heidelandschaften ihre größte Ausdehnung.

Der dann massenhaft einsetzende Import von Guano-Dünger machte selbst magere Heideböden zu fetten Wiesen. Neue Technik zur Bearbeitung der Felder erhöhte gleichzeitig die Produktivität in der Landwirtschaft. Die armen, besitzlosen Landarbeiter nahmen zu, fanden aber immer weniger Arbeit. Sie wanderten schließlich in die Manufakturen der Städte ab.

Die ehemaligen Heideflächen wurden einerseits verstärkt in Landwirtschaft genutzte Fläche umgewandelt. Die Erfindung des Kunstdüngers förderte diesen Prozess. Andererseits bewirkte der oben genannte Anpassungsprozess der Natur, dass aus nicht genutzten Heidelandschaften Wälder wurden. Die letztgenannte Veränderung vollzog sich allerdings sehr langsam. Noch vor etwa 100 Jahren schrieb Graebner über das Gebiet zwischen Halle und Berlin von "nicht enden wollenden Heideflächen". Und 1927 berichtet das Informationsblatt des Dübener-Heide-Vereins von organisierten Busfahrten aus Leipzig in das Heidegebiet nördlich von Düben. Auch nach dem 2. Weltkrieg bestanden in dieser Region mindestens noch 5 - 10 km² Fläche mit Heidekraut. In der Folgezeit wurde der Ausbau der Forstwirtschaft zu Lasten der Heidelandschaften forciert.

Doch ein Neuanfang zeichnet sich ab. Im Herbst 2007 gab es die erste geführte Wanderung mit etwa 100 Personen im militärisch genutzten Tieglitz-Forst. Dies war durch Kooperation von Naturschutz und Bundesgrenzschutz möglich und soll jeweils zur Blütezeit wiederholt werden.


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